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05.12.2008
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Ausland
Merkel trifft Sarkozy in Colombey

Zwischen Finanzmarktkrise und General de Gaulle

Bundeskanzlerin Angela Merkel ist heute erneut zu Gesprächen mit Präsident Nicolas Sarkozy nach Frankreich geflogen. Anlass ist die Einweihung eines Denkmals für den Gründungspräsidenten der V. Republik, General Charles de Gaulle. Doch die internationale Finanzmarktkrise schmälert die Bedeutung des eigentlichen Ereignisses. Viel mehr müssen sich beide Staatschefs für den Finanzkrisen-Gipfel der Euro-Gruppe abstimmen.

Von Claudia Deeg, SWR-Hörfunkstudio Paris

So oft wie im Moment haben sich der französische Präsident und die deutsche Kanzlerin noch nie gesehen. Nicolas Sarkozy und Angela Merkel arbeiten eng zusammen - diese Botschaft soll von Colombey-les-deux-eglises ausgehen. Der Ort ist wie gemacht dafür - schließlich hat General de Gaulle dort vor 50 Jahren Kanzler Adenauer empfangen. Der Beginn der deutsch-französischen Freundschaft.

Abstimmung zur Finanzmarktkrise

Angela Merkel mit Nicolas Sarkozy (Foto: dpa) Bei einem Arbeitsessen wollen Sarkozy und Merkel ihr Vorgehen in der Finanzkrise abstimmen - auch in Vorbereitung auf das kurzfristig anberaumte Treffen der Euro-Länder am Sonntag in Paris und im Hinblick auf den EU-Gipfel Mitte der Woche. Sarkozy macht deutlich: "Eine koordinierte Antwort Europas auf die Finanzkrise ist nötig. Aber darüber hinaus brauchen wir eine weltweit koordinierte Antwort. Denn die Krise betrifft alle Regionen der Welt."

Die 15 Euro-Staaten wollen einen gemeinsamen Aktionsplan festlegen - zusammen mit der Europäischen Zentralbank. Dabei würden alle Möglichkeiten geprüft. Vor einer Woche hatten sich die G4-Länder in Paris nicht auf einen EU-Rettungsfonds einigen können. Die Idee sei von Merkel torpediert worden, soll sich Sarkozy aufgeregt haben. Inzwischen haben beide Seiten versichert, sie ziehen an einem Strang.

Das betonte auch der CDU-Abgeordnete Andreas Schockenhoff bei seinem jüngsten Besuch in Paris. Er ist Vorsitzender der deutsch-französischen Parlamentariergruppe: "Es gab keinen Dissens, weil weder die französische Regierung noch die Bundesregierung je an einen solchen Fonds gedacht hat. Es gibt keine europäische Zuständigkeit und es gibt vor allem keine europäischen Institutionen, einen solchen Fonds überhaupt zu gestalten."

Deutsch-französische Freundschaft - kein Selbstläufer

Gerade in Krisenzeiten schauen alle gespannt auf die deutsch-französischen Beziehungen. Sie sind kein Selbstläufer - sagt Fréderique Dufour. Die Historikerin hat die Ausstellung in der Gedenkstätte konzipiert, die Merkel und Sarkozy besuchen werden: "Wenn die deutsch-französischen Beziehungen ganz natürlich wären, dann wäre ein Freundschaftsvertrag nicht nötig gewesen oder die festgeschriebenen regelmäßigen Treffen. Die Beziehungen sind heute zwar weitgehend normal, aber für Franzosen nicht so locker wie mit Italienern oder Spaniern."

Colombey-les-deux-eglises (Foto: AFP) [Bildunterschrift: Geschichtsträchtiger Ort: Colombey-les-deux-eglises ]

Die Eröffnung der Gedenkstätte zu Ehren de Gaulles in dem kleinen Dorf Colombey, östlich von Paris, war der eigentliche Anlass des Treffens. Statt nostalgisch in der Vergangenheit zu schwelgen, werden Merkel und Sarkozy jetzt viel über die aktuelle Lage reden.

Stand: 11.10.2008 12:05 Uhr
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